Facebook Libra: die digitale Weltwährung.

Facebook Libra: die digitale Weltwährung.

Nach langem Kampf um Privatsphäre und Glaubwürdigkeit hat Facebook wieder mal seine Zähne gezeigt: Gestern hat die Plattform endlich Details ihrer Kryptowährung Libra enthüllt. Ein Art „digitaler Dollar“ entsteht, ein sogenannter Stablecoin, mit der Benutzer problemlos Geld über Messaging-Dienste senden können, ähnlich wie es WeChat pay bereits in China macht. Damit ermöglicht Zuckerberg billige und schnelle Überweisungen auf der ganzen Welt. Während die Vision von Facebook ist, Menschen auf der Welt miteinander zu verbinden, steht die Vision von Libra dafür, Menschen weltweit einfachen und vor allem kostenlosen Zugang zu einem Bezahlsystem bereitzustellen. Der entscheidende Clou hinter Libra ist nämlich, dass keine Transaktionsgebühren anfallen werden. Stattdessen werden Facebook / Calibra und andere Gründungsmitglieder der Libra Association jedoch Zinsen auf das Geld verdienen, das die Nutzer einzahlen.

Globale Währung über Nacht

Man wird online oder an Orten wie Lebensmittelgeschäften einkaufen oder sich (echtes) Geld auszahlen können. Neben digitale Brieftaschen von Drittanbietern, die kompatibel für Ein- und Auszahlungen sein werden, soll es auch eine Facebook-eigenen Wallet, Calibra, geben, die zudem auch in WhatsApp und den eigenen Messenger integriert sein wird. Dass daran schon lange gearbeitet wird, zeigt die Personalentscheidung dahinter: in 2014 wurde der Präsident von PayPal, David Marcus, ins Unternehmen geholt, der als VP für Messeging-Produkte verantwortlich war. In den letzten Jahren kamen Ingenieure und Produktmanager zu seinem Team hinzu, die sich mit Zahlungen und Blockchain beschäftigen. Seit 2017 sitzt er er auch im Verwaltungsrat von Coinbase, der größten Kryptobörse.

Die 2,38 Mrd. monatlich und gut 1,56 Mrd. täglich aktiven Nutzer auf Facebook bedeuten, dass Project Libra vom Start weg mit den Bezahl-Konkurrenten Apple Pay (383 Millionen) und PayPal (267 Millionen) konkurrieren würde, sie sogar mit einem Schlag übertrumpfen würde. Eine Macht der Plattform, die Libra zur globalen digitalen Währung machen würde.

Wenn mehr Handel stattfindet, werden mehr kleine Unternehmen mehr auf und über die Plattform verkaufen und sie werden mehr Anzeigen auf unserer Plattform kaufen wollen. Das wird gut sein für unser Anzeigengeschäft.
— David Marcus, VP Blockchain bei Facebook

Augenmerk auf Privatsphäre

Facebook steht aber nach den Skandalen der letzten Monate und Jahre unter strenger Beobachtung des Marktes und vor allem der Nutzer. Das weiß Mark Zuckerberg wohl am besten und hat daher bei Libra einen Ansatz gewählt, der sicher für eine globale Ausrichtung digitaler Produkte stehen wird. Statt die Währung komplett kontrollieren und direkt für die Vermarktung nutzen zu wollen, wird das Unternehmen nur eine von vielen Stimmen sein. Denn mit den weiteren Gründungsmitgliedern, die jeweils mindestens 10 Mio Dollar in das Projekt investierten, soll der Open-Source Gedanke zum Tragen kommen, unter anderem mit der neuen Programmiersprache Move, mit der in Zukunft die Integration in die Partner erfolgen soll und die Libra als Zahlungsmittel akzeptieren und Kunden sogar Rabatte oder Belohnungen gewähren sollen.

Auch die Facebook-Wallet, Calibra, wird unter Privacy-first Gesichtspunkten so aufgestellt, dass keine Daten zwischen Wallet und Profil geteilt werden, um beispielsweise Anzeigen auszuspielen. Genauso wenig wird die wahre Identität an die öffentlich sichtbaren Transaktionen gebunden.

Wette gegen das zentralisierte System

Bis zum Start wird noch ermittelt, welchen Wert eine Libra haben wird. Mit der eigenen Verwaltungsinstitution im Hintergrund wird das Vorhaben selbst zu einer Art Zentralbank, die jedoch von den Gründungsmitgliedern geführt wird und somit in gewisserweise dezentral ist. Der Wert sollte jedoch in etwa dem Wert eines Dollars, Euros oder Pfunds entsprechen, das den Bezug zum bestehenden System für die Menschen erleichtern und die Akzeptanz erhöhen soll. Auf diese Weise könnte eine Packung Milch in den ähnlich viele Libra kosten, wie in Dollar oder Euro.

Mitglieder der Libra Association werden aus geografisch verteilten und unterschiedlichen Unternehmen, gemeinnützigen und multilateralen Organisationen und akademischen Institutionen bestehen”, heißt es im Whitepaper. Aufgelistete Gründungsmitglieder sind:

  • Payments: Mastercard, PayPal, PayU (Naspers’ fintech arm), Stripe, Visa

  • Technology and marketplaces: Booking Holdings, eBay, Facebook/Calibra, Farfetch, Lyft, MercadoPago, Spotify AB, Uber Technologies, Inc.

  • Telecommunications: Iliad, Vodafone Group

  • Blockchain: Anchorage, Bison Trails, Coinbase, Inc., Xapo Holdings Limited

  • Venture Capital: Andreessen Horowitz, Breakthrough Initiatives, Ribbit Capital, Thrive Capital, Union Square Ventures

  • Nonprofit and multilateral organizations, and academic institutions: Creative Destruction Lab, Kiva, Mercy Corps, Women’s World Banking

Ausführliche Informationen und das komplette Whitepaper kann man sich unter Libra.org anschauen oder hier durchlesen:



Deep Fake mit Pacino, Schwarzenegger und Stallone.

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