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Telekom baut digitale Stellen ab.

Das zum japanischen Konzern Softbank gehörende Unternehmen Sprint, die deutsche Telefónica und Telekom bauen Stellen in digitalen Units ab. Eine Kapitulation gegenüber der digitalen Revolution?

Die Telekom baut ihrer Digital Business Unit um, was im Konzern bis 2018 zum Wegfall "einiger hundert Stellen" führt, laut heise online. In der Digital Business Unit arbeiten zurzeit rund 4000 Mitarbeiter, von denen viele Entwickler sind, aber auch im Bereich Personal und Finanzen arbeiten. Alle Betroffenen der T-Labs werden wohl attraktive Auflösungsangebote mit Abfindungen von bis zu zwei Jahresgehälter angeboten.  

 

Kampf gegen Google, Amazon und Apple verloren

Digitale Dienste für den Endverbraucher stehen nicht mehr im Fokus. Als René Obermann 2010 noch groß verkündete, dass in fünf Jahren fast die Hälfte des Konzernumsatzes (was ca. 30 Mrd. Euro entsprächen) mit mobilem Internet, dem vernetzten Zuhause, IT-Diensten auf Abruf, Internet-Diensten und intelligenten Netzen gemacht werden sollen. Nun sind diese 5 Jahre vergangen und man muss sich nun zugestehen, dass die Anstrengungen zu hoch sind, alternative und gleichberechtigte Angebote zu Big Playern wie Google, Amazon und Apple anzubieten. 

"Wir haben gelernt, dass wir nicht alles selber machen müssen."

Wenn man sich dagegen anschaut, welches Tempo beispielsweise Google vorgibt, wenn es um Connected Cars oder vernetztes Zuhause geht, dann ist relativ klar, dass ein Tanker wie die Telekom nicht hinterherkommen kann. Google kauft kleine Spezialisten hinzu, die sich oft noch im sehr frühen Entwicklungszustand befinden und gliedert diese dann nahtlos in den Google-Kosmos ein, dass zahlreiche bestehende Dienste miteinander verknüpft werden. So entsteht ein direkter Nutzen für den User.

Und was hat(te) die Telekom? Scout24? Als Contentquelle, ja. Aber als integraler Bestandteil eines digitalen Angebots? wenig sinnvoll. Musicload, Videoload und Gameload schienen sinnvolle digitale Erweiterungen für den digitalen Nutzer zu sein. Wird jedoch nur das Angebot aufgestellt, ohne Usability, Design oder Mehrwert an die sich ständig wechselnden Anforderungen anzupassen, wird auch das beste Angebot irgendwann veraltet und uninteressant. Aber die ständige Anpassung kostet Geld. Viel Geld. Und wenn man dann weiß was der Netzausbau kostet - allein in den Jahren 2010 bis 2015 summieren sich die Investitionen auf satte 23 Milliarden Euro beziehungsweise 4 Milliarden Euro pro Jahr - wird allmählich versteht, warum es eine Telekom nicht zu einem Google oder Amazon geschafft hat. Das Kerngeschäft verschlingt so viel Geld, dass kein Spielraum bleibt für Experimente wie Musicload und Co. 

 

Strategische Neuausrichtung

Eine Telekom-Sprecherin bestätigte gegenüber Branchendiensten, dass der Konzern seinen Fokus verlagert, um damit in Zukunft schneller und effizienter zu werden. 

"Hintergrund ist eine konsequente Umsetzung der Konzernstrategie. Zum einen mehr Innovation durch Partnering und zum anderen mehr Marktnähe."

Wenn man jedoch liest, dass man künftig stärker auf den Netzausbau ("die besten Netze in Europa") und die Entwicklung netznaher Dienste wie Router setzte, denkt man eher an Rückschritt, als an Innovation. Das ist die Fokussierung auf die eigentliche, die alte Kernkompetenz. Digitale Inhalte werden dann in Zukunft über Partner wie Netflix, Spotify, Evernote, Amazon (FirePhone) oder China Mobile reingeholt.

Damit bricht der Telekom-Chef Timotheus Höttges mit der Strategie von René Obermann und versucht den Konzern in Richtung Cloud Computing und Digital Publishing zu schubsen. Das wiederum hört sich sehr wohl wieder nach Innovation an. Den besonders die Digitalisierung von Prozessen und Dienstleistungen durch die Cloud zieht sich durch immer mehr Branchen und bildet das Rückgrat für die Industrie 4.0. Zum einen kommt das Internet der Dinge, mit intelligenten Kühlschränken, vernetzten Autos oder smarten Einkaufssystemen immer näher. Zum anderen werden die aktuell aufstrebenden Wearables, wie Motorolas Moto 360, die iWatch von Apple oder diverse Fitnessarmbänder immer alltäglicher. Damit findet die Telekom mit dem Ausbau der Netze wieder ihren Fokus auf die Infrastruktur, und zwar auf die digitale Infrastruktur von morgen.


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